Schluckstörung (Dysphagie)

Was ist eine Dysphagie?


Ein erwachsener Mensch schluckt pro Tag bis zu 2000 mal. Das Schlucken dient der Nahrungs- sowie Flüssigkeitsaufnahme und dem Abtransport des Speichels. Der Schluckvorgang selbst hat einen äußerst komplexen Ablauf. Eine Vielzahl von Nerven und Muskeln sind daran beteiligt, die jeweils in ihrer Funktion durch verschiedene Erkrankungen beeinträchtigt sein können.

 

 

Der Schluckakt ist in drei Phasen zu unterteilen: in die Phase der Nahrungsvorbereitung (Zerkleinern und Sammeln), den Transport der Nahrung/des Speichels mit Hilfe der Zunge und der Wangenmuskulatur in den Rachenbereich und schließlich in die der Beförderung der Speise/des Speichels in die Speiseröhre. Dieser komplexe Vorgang läuft meist unwillkürlich ab, ist also reflexgesteuert. Als Dysphagie wird eine Störung des Schluckvorgangs in einer der drei Phasen bezeichnet.
Für die gezielte Ansteuerung dieses Vorgangs ist unser Gehirn verantwortlich. Gewisse Nerven geben dem Gehirn z.B. Rückmeldung über Geschmack und Geruch der Nahrung, Informationen über die Beschaffenheit der Speise, die auf der Zunge liegt, um zu wissen ob die Nahrung schon geschluckt werden kann oder noch weiter zerkaut werden muss. Wieder andere Hirnnerven sind dafür zuständig, den Befehl zu Schlucken an die entsprechenden Organe weiter zu leiten.
Wenn eine der oben genannten Strukturen  nicht mehr richtig funktioniert, kann eine Dysphagie bzw. Schluckstörung entstehen.


Ursachen von Schluckstörungen
Schlaganfall
Schädel-Hirn-Trauma
Multiple Sklerose (MS)
Parkinsonsyndrom
Amyothrophe Lateralsklerose (ALS)
Degenerative Muskelerkrankungen
Verletzungen/Lähmungen von Zunge, Gaumen, oder Kehlkopf
Syndrome (z.B. Morbus Down)
Psychosomatische Ursachen


Gefahren einer Dysphagie

 

Schluckstörungen sind nicht nur unangenehm für den Betroffenen und seine Angehörigen, sondern können auch zu Lungenentzündungen (Pneumonien) führen. Nahrung, Flüssigkeit oder Speichel können in die Luftröhre eindringen, wenn der Schluckreflex z.B. durch Wahrnehmungseinschränkungen nicht adäquat oder rechtzeitig ausgelöst wird. Flüssigkeit und Nahrungsteile gelangen dann leicht über die Atemwege bis zur Lunge und führen dort zu Entzündungen.
Ziehen Sie also rechtzeitig kompetente Hilfe hinzu, wenn Anzeichen für eine Schluckstörung erkennbar sind.

Therapie
Die Schlucktherapie beinhaltet je nach Ausmaß und Schweregrad der Schluckstörung folgende Inhalte:

 

Restituierende Maßnahmen
(Ursachenorientierte Wiederherstellung gestörter Funktionen):
- Kräftigungs- und Koordinationsübungen der Zungen-, Lippen-, Wangen- und Kiefermuskulatur in Form von aktiven Bewegungsübungen für die mimische Muskulatur, Kaumuskulatur und Zungenmuskulatur.

 

Kompensatorische Maßnahmen
(Ersatzstrategien, die das Schlucken erleichtern sollen):
- Haltungsänderungen und Positionierung der Nahrung
- Einüben von Schlucktechniken

 

Adaptierende Maßnahmen
(Anpassung der Umwelt zur erleichternden bzw. selbständigen Nahrungsaufnahme):
Diätetische Maßnahmen
Verwendung von Verdickungsmitteln
Ess- und Trinkhilfen

 

Invasive Maßnahmen
in der Akutphase zur Lebenserhaltung durch künstliche Ernährung:
Anlage einer Nasensonde oder PEG (Perkutane endoskopische Gastro-stomie)
Luftröhrenschnitt

Durch eine individuelle auf den Patienten abgestimmte Schlucktherapie kann eine Verbesserung bzw. Wiederherstellung des Schluckvorgangs vorgenommen werden.

Was kann ich tun?
Worauf Sie im Allgemeinen achten sollten:

 

  • Aufgerichteter Oberkörper während und bis zu 30 Minuten nach der Nahrungsaufnahme
  • Vorzugsweise breiige bzw. angedickte Kost
  • Keine Milchprodukte bei Aspirationsgefahr
  • Kleine Bissen und Schlucke
  • Nach jedem Schluck (mehrmals) nachschlucken
  • Kräftig Husten und nochmals nachschlucken
  • Während des Schluckens nicht sprechen
  • Sich zur Nahrungsaufnahme Zeit nehmen