Newsletter Schluckstörung

„Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.“
Wer würde diesem Sprichwort nicht zustimmen?
„Kaum bin ich mit dem Frühstück fertig, muss ich schon wieder an das Mittagessen denken. Eigentlich macht es keinen Spaß, aber ich esse, weil ich essen muss.“


Essen und Trinken bestimmt unseren Alltag, unsere Freizeit, spielt eine wichtige gesellschaftliche Rolle: Essen mit Freunden, mit der Familie, auf Festen, im Restaurant, gemütliches Kaffee trinken am Nachmittag etc.
Die tägliche Nahrungsaufnahme ist ein elementares Grundbedürfnis, welches uns selbstverständlich erscheint, solange der Schluckablauf automatisch funktioniert.
Was aber, wenn das Essen und Trinken Probleme bereitet, die Nahrung nicht mehr ausreichend zerkleinert werden kann, wieder aus dem Mund heraus fällt, der Bissen im Hals stecken bleibt oder gar über die Luftröhre Nahrung in die Lunge gelangt?

 

 

Wer nicht normal essen und trinken kann, nimmt am gesellschaftlichen Leben oftmals nur mit Einschränkungen teil.
Störungen des Schluckvorgangs können in jedem Lebensalter und in unterschiedlichen Graden auftreten. Unabhängig vom Schweregrad leiden viele Betroffenen unter Isolation und seelischer Belastung. Der Genuss am Essen und Trinken wird reduziert durch Schmerzen, Husten, größeren Zeitaufwand für die Nahrungsaufnahme und sogar Erstickungsangst.


Folgende Anzeichen können auf eine Schluckstörung hinweisen:

- Gewichtsverlust
- Vermeiden
bestimmter Nahrungsmittel bzw. Konsistenzen
- Häufiges Räuspern, Husten, Verschlucken
- Vermehrter Speichelfluss
- Gurgelnde Stimme
- Wiederkehrendes Fieber im Zusammenhang mit Lungenentzündung (Aspirationspneumonie)

Die Folgen einer
Schluckstörung (Dysphagie) schränken nicht nur die Lebensqualität enorm ein, sondern können eine akute Gefährdung der Gesundheit bis hin zur Lebensgefahr für den Betroffenen darstellen.
Wenn letzteres der Fall ist, wird dem Patienten die Nahrung künstlich über eine Sonde zugeführt. Durch eine individuelle, auf den Patienten abgestimmte Schlucktherapie besteht in vielen Fällen die Aussicht, orale Ernährung wieder  zu ermöglichen.
Der Dysphagietherapie geht eine umfassende Diagnose voraus. Idealerweise tragen die Fachdisziplinen Neurologie, HNO-Heilkunde, Radiologie und Logopädie/Sprachtherapie ihre Untersuchungsergebnisse zusammen, um dann über das weitere therapeutische Vorgehen zu entscheiden.

Mögliche Ursachen von Schluckstörungen :

 

  • Schlaganfall
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Multiple Sklerose
  • Parkinsonsyndrom
  • Amyothrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Degenerative Muskelerkrankungen (z.B. Myasthenia gravis)
  • Verletzungen / Lähmungen von Zunge, Gaumen oder Kehlkopf
  • Syndrome (z.B. Morbus Down)
  • Psychosomatische Ursachen

Therapie

Die Planung und Durchführung der funktionellen Schlucktherapie liegt im Aufgabenbereich der Logopäden/ Sprachtherapeuten.
Eine funktionelle Schlucktherapie beinhaltet u. a.:

 

Restituierende Methoden:
Kräftigungs- und Koordinationsübungen der Zungen-, Lippen-, Wangen- und Kieferbewegung

 

Kompensatorische Methoden:
Haltungsänderungen und Schlucktechniken

 

Adaptierende Maßnahmen:
diätetische Maßnahmen
Verdickungsmittel
Ess- und Trinkhilfen
Platzierung der Nahrung

 

Dass Essen und Trinken ein elementares Grundbedürfnis ist, wird erst demjenigen bewusst, der darauf eine Zeit lang verzichten muss.
Mit Hilfe einer kompetenten und konsequenten Diagnostik und Therapie lässt sich die Nahrungsaufnahme in vielen Fällen jedoch wieder verbessern oder sogar normalisieren.

„Die ersten Löffel Apfelmus waren eine Offenbarung, obwohl ich früher Obst und Pudding nie anrührte. Viel zu süß. Aber nach drei Monaten nur Sonde schmeckt alles lecker“.